Regenwald



Aus dem kurzen Aufenthalt, den wir ursprünglich geplant hatten, werden 10 unvergessliche Tage. Wir verbringen viel Zeit am palmenbewachsenen Strand, sammeln Muscheln, Korallenstückchen und Kokosnüsse. Zu den Einrichtungen des Backpackers gehört auch eine Hütte mit einer Gemeinschaftsküche für Selbstversorger, ausgerüstet mit Sitzgelegenheiten,
Wasserfall - Regenwald
Ein Wasserfall im Regenwald
Kühlschränken und Regalen für die Lagerung der Essensvorräte.

Während des gemeinsamen Frühstücks springt eine kleine Japanerin plötzlich kreischend auf den Tisch. Was ist passiert? Wir entdecken ein rattenähnliches Tier, das zwischen den, in den unteren Regalen gelagerten, Cornflakes Packungen hervoreilt – ein Bandicoot, nachtaktives Beuteltier mit einer Vorliebe für Cornflakes. Was für ein Spaß! Ein so naturnaher Aufenthalt verschafft einem aber gelegentlich auch Begegnungen mit weniger niedlichen Exemplaren der heimischen Tierwelt.

Diese Erfahrung macht jeder, der sich nach einem heißen Tag entspannt unter die Dusche begibt, die in einem hallenähnlichem Gebäude untergebracht ist. Nichtsahnend entledigt man sich seiner Kleidung und schließt die Tür der Kabine. Irgendwann, geht der Blick unwillkürlich nach oben und man entdeckt, zumeist mit Entsetzen, endlose Spinnweben mit ihren handtellergroßen Bewohner an der Wand, die durch die Wasserdämpfe in bedrohliche Schwingung geraten. Das erste Erlebnis dieser Art endet zumeist mit hektischer Flucht. Angesichts der Erkenntnis, dass zwei Tage ohne Duschen kaum auszuhalten sind, kehrt man irgendwann zurück und übt sich in Verdrängungstechnik.

Ganz in der Nähe unserer Unterkunft entdecken wir ein Informationszentrum über einen typischen Bewohner des Regenwaldes: den Flughund, und machen Bekanntschaft mit Heisie, einem Exemplar dieser fledermausähnlichen Gattung, das kopfüber an einer Stange hängt. Wir dürfen ihn mit Obst füttern und beobachten belustigt, wie die Fruchtstückchen unten rein und kurz darauf oben wieder, auf natürlichem Weg, zum Vorschein kommen. Dabei war es für uns allerdings zu spät, rechtzeitig den nötigen Abstand zu gewinnen.

Nach einer halben Stunde Fußmarsch über eine „gravel road“ (Schotterstraße), gelangt man zu einem kleinen Tante Emma Laden. Dahinter verbirgt sich ein idyllischer Badesee mit kristallklarem Wasser, umgeben von hohen Bäumen. Von einer kleinen Erhebung aus, kann man sich, mit einem am Baum befestigten Seil, über das Wasser schwingen, um irgendwann hineinzuplumpsen. Pippi Langstrumpf lässt grüßen. Ein kleines, aber zauberhaftes Paradies für Kinder. Besonders was das Baden im Meer und allen Seen in Australien betrifft, erscheint es mir wichtig, anzumerken, dass viele Gewässer nicht immer zum Baden geeignet sind. Man sollte tunlichst darauf achten, sich nur in dafür ausgeschilderten Regionen ins Wasser zu begeben, alles andere kann nicht nur äußerst unangenehme Folgen haben, sondern sehr schnell zu lebensbedrohlichen Situationen führen.

Dorringo - Nationalpark
Dorringo National Park
Der rote Kontinent beherbergt Skorpione, Spinnen und Schlangen, die zu den gefährlichsten Arten der Welt zählen und das gilt nicht nur in den Regionen außerhalb der Zivilisation. Die Redback-Spider, deren Biss innerhalb weniger Stunden zum Tod führt, ist vorwiegend in Großstädten beheimatet und versteckt sich gerne unter Klobrillen. Man lernt hier sehr schnell Toiletten vor der Benutzung diesbezüglich zu kontrollieren, genauso wie Schlafsäcke erst mal auszuschütteln, bevor man es sich in ihnen bequem macht und auch das Schuhwerk auf ungebetene Gäste zu inspizieren. Für Bushwalks, Expeditionen durch unbekanntes Gelände oder Nachtwanderungen im Regenwald gilt die Devise „hohes Schuhwerk, am besten Stiefel und laut auftreten“. Im Normalfall flüchten die Tiere bei lauten Geräuschen. Zuckerrohrfelder, wie sie im Norden von Queensland häufig vorkommen, sind Brutstätten für Schlangen. Das habe ich auch erst erfahren, nachdem ich meiner australischen Freundin erzählte, dass ich auf einer längeren Strecke ein solches, mangels einer Toilette, betreten habe.

Bei aller Begeisterung für die zauberhafte Tierwelt Australiens ist Vorsicht oberstes Gebot. Die niedlichen Koalabären besitzen messerscharfe Krallen und auch die zutraulichen Känguruhs in den Wildlife Parks, die einem mitunter sogar aus der Hand fressen, können mit ihren Boxhieben ein „gestandenes Mannsbild“ regelrecht umhauen. Trotz alledem möchte ich noch hinzufügen, dass wir während unseres dreimonatigen Aufenthaltes keinerlei wirklich unangenehme Erfahrungen gemacht haben.

Patricia