Sydney



Nach einem aufregenden Stopover-Aufenthalt in Hong Kong erreichte ich endlich mein Reiseziel Sydney. Doch ich war nicht nur am anderen Ende der Welt angekommen, sondern hatte mir im zarten Alter von fünfzehn Jahren tatsächlich meinen Traum erfüllt. Allmählich realisierte ich, dass ich mich in der schönsten Stadt der Welt befand - so jedenfalls hatte ich
es immer wieder in Reiseberichten gelesen. Nun, in meiner ersten Fernreise überhaupt, konnte ich mir selbst ein Urteil bilden. Meine Schwester, unser Vater und ich wurden von einem ausgesprochen mildem Klima auf dem fünften Kontinent begrüßt. Zufällig machten wir einen kleinen Transferbus ausfindig. Während er sich durch den hektischen Straßenverkehr fädelte, schnappte ich die ersten Eindrücke auf. Nach einer Weile entdeckte ich plötzlich zwischen zwei Häusern den Ausschnitt eines bogenförmiges Bauwerkes. Kein Zweifel, wir mussten bei der Harbour Bridge und somit auch in unmittelbarer Nähe des berühmten Opernhauses sein.

Wir erreichten ein altmodisches Hotel im berühmt berüchtigten Stadtviertel Kings Cross. Zunächst überfiel uns Müdigkeit. Lange Flugstunden und die Aufregungen der letzten Tage hinterließen Spuren. Doch Neugierde besiegte aufkommendes Gähnen. So erkundete ich schließlich allein die Umgebung, während die anderen sich ausruhten. Ich genoss die angenehme Temperatur, ließ mir die australische Sonne auf die Nasenspitze scheinen, betrachtete üppig blühende Bäume und exotische Vögel. Auf dem Rückweg geschah dann, was geschehen musste: Ich hatte mich verlaufen. Glücklicherweise erklärte mir jemand den Weg. Auch in den nächsten Tagen überraschte die offene, hilfsbereite Art der Australier immer wieder. Die heitere Lebenshaltung der Aussies steckte an. Statt einer schlechtgelaunten Bedienung, wie man sie schon oft in Deutschlang erlebt hatte, begrüßte uns allmorgendlich nicht nur die Sonne, sondern auch eine lächelnde Kellnerin im gemütlichen Restaurant um die Ecke. Kaffee, deftige Ei- und Speckgerichten sowie leckere Kuchenstücke garantierten einen guten Start in den Tag. Und Stärkung war schwer nötig, immerhin gab es reichlich zu sehen.

Eines der ersten Dinge, die wir besichtigten, war das Queen Victoria Building. Erst einige Wochen zuvor war dieses Einkaufsparadies in einer Fernsehreportage gezeigt worden. Nun standen wir leibhaftig auf den noblen, warm beleuchteten Etagen. Idealerweise waren die zahlreichen Geschäfte bereits geschlossen. So konnten wir in aller Ruhe architektonische Besonderheiten und die stattliche ’Uhr Australiens’ bestaunen. Sogar die Toiletten glänzten durch Geräumigkeit, riesige Spiegel und Schiebetüren.

In den nachfolgenden Tagen lockte ein bunter Markt, auf dem ein junger Aborigine seine Didgeridoo-Künste zum Besten gab. Da er mal in Deutschland gelebt hatte, tauschte man die jeweiligen Eindrücke aus.

Sydney - Hafen
Sydney bei Nacht

Bald entdeckten wir den sympathischen Darling Harbour, in dem wir das Gavala Aboriginal Art Centre mit dem weltgrößten Bumerang besuchten. In der TV-Reportage wurde die Galerie und sein bekannter Besitzer ebenfalls vorgestellt. Darauf basierend ergab sich ein interessantes Gespräch mit ihm und ein schönes Erinnerungsphoto. Damals hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich nur wenige Monate später das Bild persönlich vorbeibringen und es in die Photo-Galerie eingereiht werden würde.

Natürlich ließen wir bei unserem Sydneyaufenthalt das phänomenale Opernhaus nicht aus. Erst live wurde die Schönheit und die spezielle von diesem Platz ausgehende Ausstrahlung greifbar. Menschen aus allen Ländern treffen hier zusammen, fotografieren sich gegenseitig und tauschen sich begeistert aus.

Wir bestaunten die imposante Skyline, gingen in Watsons Bay und Manly spazieren. Einmal entdeckte ich von der Fähre aus sogar einen Delphin - eine Szene, die ich bislang nur aus Naturfilmen kannte. Für unvergessliche Eindrücke sorgten auch der Botanische Garten und die Blue Mountains.

Kurzum: Wenige Urlaubstage genügten, um das aufregende Sydney ins Herz zu schließen. So sehr, dass ich es seitdem erneut zweimal besucht habe. Auf einen vierten Besuch wird schon gespart. Wen die charmante australischen Metropole nämlich erst einmal ergriffen hat, lässt sie so schnell nicht wieder los… Miriam (21)