Westküste



Weiter geht's Richtung Geraldton, das aufgrund der konstanten Temperaturen und viel Sonnenschein auch "Sun City" genannt wird. Uns dient der Aufenthalt für eine Übernachtung und ein paar erholsame Stunden am Strand. Außer einem Leuchtturm hat der Ort nicht wirklich viel zu bieten. Auf der Weiterfahrt begegnen uns einige Roadtrains, schwere Lastzüge mit bis zu 6 Hängern. Die sind auch verantwortlich für die vielen Kängurukadaver am Straßenrand. Irgendwann
kommen die Kiddies auf die Idee, so ein totes Känguru aus der Nähe besichtigen zu wollen. Also halte ich bei nächster Gelegenheit und die kommt schnell – es ist bereits das siebte Tier auf unserem Weg. Als wir uns dem vermeintlichen Kadaver nähern, stellen die Kiddies fest, dass sich im Beutel des Muttertiers noch etwas regt. Die Aufregung ist groß und unsere Großmutter wird zur gewissermaßen zur "Hebamme", die das noch quicklebendige "Joey" aus dem Beutel befreit. Das noch haarlose Wesen mit den langen, dürren Beinchen erinnert ein bisschen an E.T. und begleitet uns von jetzt an als fünfter Passagier.

In zweistündiger Entfernung liegt das Overlander Roadhouse und die Landlady zaubert eine Nuckelflasche aus dem Nichts, mit dem wir das durstige Jungtier, unterwegs notdürftig versorgen. Sie weist uns auch den Weg zum Wildlife Park, nahe Denham, in dem wir das Kängurubaby abliefern wollen. Dummerweise verpassen wir die Route und landen schließlich Stunden später auf der Polizeistation in Denham. Die freundlichen Beamten übernehmen amüsiert unseren Gefährten und kümmern sich um seine Unterbringung. Unser eigentliches Ziel, Monkey Mia liegt noch 20 Kilometer weiter und der Abschied von dem kleinen Wesen, verläuft nicht ganz ohne Tränen.

Glücklicherweise wurde diese einzigartige Küstenlandschaft der Shark Bay auf die Liste des Weltkulturerbes der Unesco gesetzt. Das hat zur Folge, dass das Urlauber Resort nicht mehr als 80 Besucher aufnimmt. Wir mieten eine Cabin, ausgerüstet mit Dusche, 3 Stockbetten, Kühlschrank und großem Essbereich. Den Abend unserer Ankunft verbringen wir am Strand neben zutraulichen Pelikanen und allerlei anderen Wasservögeln. Zu dieser Jahreszeit verlaufen sich die wenigen Besucher auf dem Gelände. Hauptattraktion sind die wilden Delphine, die tagtäglich bis ans Ufer kommen. Im Informationszentrum erfährt man alles Wissenswerte über die zutraulichen Tiere.

Morgens, um sieben versammeln sich die ersten Besucher am Strand. Ruhig und zugleich gespannt blicken alle hinaus auf das Wasser. Eine Stunde lang passiert nichts. Kurz nach 8 Uhr werden die ersten Delphine gesichtet - von den Rangern, die hier arbeiten und sich um das Wohlergehen der Tiere kümmern. Wir stehen bis zu den Knien im Wasser und halten gebannt den Atem an, als uns die beliebten Meerestiere vorsichtig umkreisen. Doch plötzlich, heißt es "raus aus dem Wasser und zwar schnell". Ein Weibchen nähert sich mit seinem erst 4 Tage alten Jungen. Der Ranger erklärt, dass das Immunsystem der Delphine kaum erforscht ist und der Kontakt mit den Menschen das Junge gefährden könnte. Aber auch vom Ufer aus, erliegt jeder der Faszination dieses Ereignisses. Der Besuch der Delphine mit ihrem Jungen zeigt von großem Vertrauen der Tiere in den Menschen. Die Ergriffenheit der Besucher ist fast körperlich spürbar. Jeder scheint zu wissen, welch’ großartiges Geschenk die Natur uns in diesen Momenten beschert. Zwei Stunden noch spielen die Delphine in der Bucht, bevor sie wieder in den Tiefen des Indischen Ozeans verschwinden.

Westkueste
Westküste

Ein weißer Katamaran trägt uns am Abend hinaus auf das Meer. Zu den Klängen von Pink Floyd segeln wir entlang der Küste mit Blick auf schneeweiße Sanddünen. Die Sonnenuntergänge an der Westküste zählen zu den spektakulärsten ganz Australiens. Himmel und Meer leuchten purpurfarben und tauchen die Umgebung in ein mystisches Licht. Es gibt Orte in der Welt, die will ich eigentlich gar nicht mehr verlassen und Monkey Mia ist einer davon.

Patricia