Wildlife und real life



Auf dem Rückweg nach Perth machen wir einen Abstecher zum Wildlife Park. Die Begegnung mit „unserem“ Känguruhbaby hat uns nicht losgelassen. Dieses Mal
Wildlife
Känguru in der Wildnis
finden wir den Weg und stehen vor einem Tor, hinter dem ein Emu uns mit neugierigem Blick mustert. Vorsichtig betreten wir das Gelände, der Emu dreht sich um und läuft vor uns her, bis wir auf
Dorothy treffen. Fast kommt es uns vor, als hätte der Emu auf uns gewartet. Dorothy lebt in einem Wohnwagen und kümmert sich um die Bewohner des Parks.

Als wir nach dem Joey fragen, verschwindet sie kurz in ihrem Wohnwagen, um gleich darauf zurückzukehren, das Joey auf dem Arm, bekleidet mit Windel und Pullover - welch ein Anblick. Sie erzählt uns, dass die mutterlosen Tiere wie Menschenkinder mit dem Fläschchen aufgepäppelt werden, bevor man sie im Alter von ca. 1 Jahr wieder auswildert. Wir sind glücklich, dass unser Findling ein so gutes Zuhause gefunden hat und für eine Weile sogar in Dorothy’s Wohnwagen in einem Kinderbettchen schlafen darf. Mit diesem Gefühl fällt die erneute Trennung von unserem kleinen Freund ein wenig leichter und wir treten den 1000 km langen Rückweg an.

Für uns Europäer, die wir derartige Dimensionen nicht gewöhnt sind, wird das Fahren sehr schnell sehr monoton. Obwohl das Tempo-Limit bei 110 km/h liegt, lasse ich mich zu schnellerem Fahren verleiten und so steigt die Temponadel schon mal auf 150 km/h.

Dort, wo einem nur jede Stunde ein anderes Fahrzeug begegnet, interessiert das doch keinen, denke ich und halte meine Geschwindigkeit solange ein, bis aus dem Nichts hinter mir plötzlich ein Polizeiwagen auftaucht, der mit Blaulicht und Martinshorn den Highway entlang jagt. Vorschriftsmäßig mache ich Platz, muss allerdings zu meinem Erstaunen feststellen, dass der nette Ordnungshüter hinter mir her ist. Zum Glück weiß ich, dass ich sitzen bleiben muss und beide Hände brav aufs Lenkrad gehören. Im Rückspiel sehe ich, wie sich die Staatsgewalt in der Person eines Uniformierten unserem Wagen nähert. Ich fühle mich wie in einem amerikanischen Action Film. Der Beamte fordert Führerschein und Wagenpapiere. Wir machen wohl eher den Eindruck eines Familienausflugs. Erst als er meinen deutschen Führerschein erkennt, lächelt er und meint, das würde ja alles erklären! Nach kurzer Belehrung über die Verkehrsbestimmungen und die Gefahren von plötzlich auftauchenden Wildtieren, lässt er Gnade vor Recht ergehen und uns von dannen ziehen, ohne die sonst übliche drastische Geldbuße. Die ganze Zeit über wundere ich mich, woher auf dieser einsamen und eigentlichen recht übersichtlichen Strecke, der Polizeiwagen kam. Dass große Teile des Verkehrs an der Westküste von Polizeihubschraubern aus der Luft überwacht werden, habe ich erst im Nachhinein erfahren.

Für Erkundungen der großen Wüstenlandschaften wie Gibson, Great Sandy oder Victoria Desert hat die Zeit leider nicht gereicht. Broome, die Stadt der Perlentaucher mit dem 22 km langem Cable Beach, die Kimberleys im hohen Norden und Zentralaustralien mit dem Ayers Rock und den Olgas bleiben dieses Mal ein Traum. Dennoch gibt es keinen Grund zur Traurigkeit, aber genügend Gründe für eine Wiederzukehr. Wie alles im Leben, so geht auch dieser Urlaub seinem Ende zu. Mitgenommen haben wir, außer zwei Didgeridoos, Boomerangs, einer Drizabone-Weste und vielen bunten T-Shirts, die Erinnerung an ein Land mit unvorstellbaren Farben, einzigartigen Landschaften und nicht zuletzt an die Warmherzigkeit und außergewöhnliche Hilfsbereitschaft seiner Bewohner. Der einzig wirkliche Nachteil dieser Reise liegt in der immer wiederkehrenden Frage, warum wir nicht gleich dort geblieben sind.

Patricia

Kata - Tjuta
Kata Tjuta